Wat Jelbes
Köln, Domstraße
Hier wohnt Holla, der Holger, wie er gern genannt wird. Der Name hat sich wohl mal des nachts ergeben, als Holla und seine Kumpels das gemacht haben, was wir die vergangene Nacht auch getan haben: zuviel gesoffen.
Früher wohnte er in Karlsruhe, das war vor dem Job beim Dualen System, heute ist es eben Köln. Und irgendwie ist der Holla selber so eine Art Duales System.
Jeder, der schon mal in Köln war, weiss auch, wie piefig die Leute da sind. Von wegen, wir sen ja sowat von weltoffen un sin imma lustisch drüff.
Gegen 13 Uhr stehen wir auf, die Sonne strahlt und reflektiert sich im Bürohaus gegenüber, dessen Front gänzlich verspiegelt ist.
Ich schüttel meinen bunten Schlafsack aus und häng den mal zum Lüften ins Fenster -Emission impossible!- Eau de Cologne ist nix dagegen.
Wasser im Bad angemacht und kurz die Augen mit den Fingerkuppen geduscht. Zähne geputzt. So, fertig. Kann losgehen.
Holla? Tommi? Alles klar, Holla und Thomas sind bereit. Dann gehen wir mal was frühstücken.
Kaum unten auf der Strasse angekommen, geht ein Fenster Parterre auf.
"Herr Bersch?" (der Holla ist gemeint, eigentlich Berg, aber mir san ja in Kölle)
"Jau!"
"Herr Bersch...Herr Bersch!" (stöhnt sie).
"Frau Koslowski, was gibt's denn?" Frau Koslowski wohnt im selben Haus wie Holla.
"Herr Bersch,...Herr Bersch...et is so schrecklisch...!" (fasst sich an den Kopf).
"Frau Koslowski, was ist denn los? Ist irgendwas passiert?"
"Herr Berch,...Herr Bersch...Se werden et nisch glaum,...et ist so schrecklisch...!"
"Frau Koslowski,....das hört sich ja sehr ernst an, was ist denn bloß los?"
"Ach,...Herr Bersch,...Herr Bersch...sooo schrecklich...!" (dabei verdreht sie die Augen, als ob sie kopfüber aus ner Gondel am Riesenrad hängt).
"Is was mit Ihrem Mann?
"Warten Se,...Herr Bersch, isch muss dringens mit Ihne reden, isch komm mal russ!"
Das dauert mehrere Minuten. Wir, stark unterzuckert, dehydriert und wenig elektrolythisiert, können uns derweil mit unseren dicken Köpfen in der prallen Mittagssonne kaum auf den Beinen halten. Wir müssen was essen und schnellstens was trinken...
Dann kommt Frau Koslowski auf rosa Plüschpantoletten rausgeschlurft und nähert sich uns konspirativ. Wir beugen uns alle zu ihr hinunter, sie ist kaum größer als ein Parkpöller. Sie riecht wie ein altes Sofa und irre nach Köllnisch Wasser, und ich denk, mit dem Lokalpatriotismus kann man's auch irgendwie übertreiben. Sie stützt ihre Ärmchen, mit Haut wie frisch gerupftes Huhn, in die Seite, und rasselt dabei wichtig mit dem dicken Hausmeisterschlüsselbund.
Thomas verdreht die Augen, dabei bin ich mir nicht sicher, ob er gleich umfällt, oder ob er nur genervt ist.
"Herr Bersch,...Herr Bersch...et ist so schrecklisch...!"
"Herr Bersch...wie lange wohnen Se denn schon bei uns im Haus?" (holt ein riesiges Taschentuch raus und wischt sich theatralisch über die Stirn).
"Seit letztem Jahr, Frau Koslowski, das wissen Sie doch...." Der Holla ist leicht verwirrt und knickt vor Hunger fast zusammen, nur seine gute Erziehung hält ihn noch aufrecht.
"Herr Bersch,...Herr Bersch...is Ihnen da nie wat aufjefalln?"
"Äh...ne,...hätte es denn?"
"Ja sischa, ja sischa...!"
"Sagen Sie doch mal, was ist denn passiert, Frau Koslowski!"
"Herr Bersch,...sowat Schlimmes hab isch mein Lebtach no nischt gesehn...isch kuck so ausm Fenster, ne, mach isch ab un zö,..und dann kuck isch hoch.....und...dat glauben Se nisch, Herr Bersch...wat isch da sehe...da seh isch wie sisch im gegenüberliegenden Haus was schpiegeln tut...was Gelbes! Un dann denk isch bei mir: Wat is dat denn? Wat kann dat denn sin? Und wo kimmt dat her? Und dann jeh isch auf de Strass, und dann denk isch, do meine Jüte, lieber Jott, und dat direkt neben unserem D o m,...dat ist ja bei dem Herrn Bersch...", mit diesen Worten dreht sie sich um, und zeigt mit ihrem knochigen Zeigefinger Richtung Fenster. Ein Hauch von Achselschweiss und Eau de Cologne weht mir in die Nase. "...da hängt...wat Jelbes, ausm Fenster...!"
"Wat Jelbes? äff ich sie nach...Wat Jelbes denn?, bevor mir, gen Himmel blickend, erst schwindelig und dann schwarz vor Augen wird.
"DAS geht auch nicht! Das geb ich Ihnen recht, Frau Koslowski!" überlegt der Holla nicht lange, und zu uns gewandt: "Ich muss noch mal eben hoch, bevor nämlich die UNESCO Köln noch den Dom wieder als Weltkulturerbe aberkennt, hol ich deinen Schlafsack mit dem gelben Innenfutter lieber wieder rein..!" Dann taumelt er nach oben.
Frau Koslowski klimpert nochmal streng mit dem Schlüsselbund und geht Kopf schüttelnd ins Haus. "Nä, nä, nä, nä, nä...!"

Bild: troph-e-shop.com

Kölle, Domstraße
~
Text © 2006/2008 lorenzodigiovanni.twoday.net
Hier wohnt Holla, der Holger, wie er gern genannt wird. Der Name hat sich wohl mal des nachts ergeben, als Holla und seine Kumpels das gemacht haben, was wir die vergangene Nacht auch getan haben: zuviel gesoffen.
Früher wohnte er in Karlsruhe, das war vor dem Job beim Dualen System, heute ist es eben Köln. Und irgendwie ist der Holla selber so eine Art Duales System.
Jeder, der schon mal in Köln war, weiss auch, wie piefig die Leute da sind. Von wegen, wir sen ja sowat von weltoffen un sin imma lustisch drüff.
Gegen 13 Uhr stehen wir auf, die Sonne strahlt und reflektiert sich im Bürohaus gegenüber, dessen Front gänzlich verspiegelt ist.
Ich schüttel meinen bunten Schlafsack aus und häng den mal zum Lüften ins Fenster -Emission impossible!- Eau de Cologne ist nix dagegen.
Wasser im Bad angemacht und kurz die Augen mit den Fingerkuppen geduscht. Zähne geputzt. So, fertig. Kann losgehen.
Holla? Tommi? Alles klar, Holla und Thomas sind bereit. Dann gehen wir mal was frühstücken.
Kaum unten auf der Strasse angekommen, geht ein Fenster Parterre auf.
"Herr Bersch?" (der Holla ist gemeint, eigentlich Berg, aber mir san ja in Kölle)
"Jau!"
"Herr Bersch...Herr Bersch!" (stöhnt sie).
"Frau Koslowski, was gibt's denn?" Frau Koslowski wohnt im selben Haus wie Holla.
"Herr Bersch,...Herr Bersch...et is so schrecklisch...!" (fasst sich an den Kopf).
"Frau Koslowski, was ist denn los? Ist irgendwas passiert?"
"Herr Berch,...Herr Bersch...Se werden et nisch glaum,...et ist so schrecklisch...!"
"Frau Koslowski,....das hört sich ja sehr ernst an, was ist denn bloß los?"
"Ach,...Herr Bersch,...Herr Bersch...sooo schrecklich...!" (dabei verdreht sie die Augen, als ob sie kopfüber aus ner Gondel am Riesenrad hängt).
"Is was mit Ihrem Mann?
"Warten Se,...Herr Bersch, isch muss dringens mit Ihne reden, isch komm mal russ!"
Das dauert mehrere Minuten. Wir, stark unterzuckert, dehydriert und wenig elektrolythisiert, können uns derweil mit unseren dicken Köpfen in der prallen Mittagssonne kaum auf den Beinen halten. Wir müssen was essen und schnellstens was trinken...
Dann kommt Frau Koslowski auf rosa Plüschpantoletten rausgeschlurft und nähert sich uns konspirativ. Wir beugen uns alle zu ihr hinunter, sie ist kaum größer als ein Parkpöller. Sie riecht wie ein altes Sofa und irre nach Köllnisch Wasser, und ich denk, mit dem Lokalpatriotismus kann man's auch irgendwie übertreiben. Sie stützt ihre Ärmchen, mit Haut wie frisch gerupftes Huhn, in die Seite, und rasselt dabei wichtig mit dem dicken Hausmeisterschlüsselbund.
Thomas verdreht die Augen, dabei bin ich mir nicht sicher, ob er gleich umfällt, oder ob er nur genervt ist.
"Herr Bersch,...Herr Bersch...et ist so schrecklisch...!"
"Herr Bersch...wie lange wohnen Se denn schon bei uns im Haus?" (holt ein riesiges Taschentuch raus und wischt sich theatralisch über die Stirn).
"Seit letztem Jahr, Frau Koslowski, das wissen Sie doch...." Der Holla ist leicht verwirrt und knickt vor Hunger fast zusammen, nur seine gute Erziehung hält ihn noch aufrecht.
"Herr Bersch,...Herr Bersch...is Ihnen da nie wat aufjefalln?"
"Äh...ne,...hätte es denn?"
"Ja sischa, ja sischa...!"
"Sagen Sie doch mal, was ist denn passiert, Frau Koslowski!"
"Herr Bersch,...sowat Schlimmes hab isch mein Lebtach no nischt gesehn...isch kuck so ausm Fenster, ne, mach isch ab un zö,..und dann kuck isch hoch.....und...dat glauben Se nisch, Herr Bersch...wat isch da sehe...da seh isch wie sisch im gegenüberliegenden Haus was schpiegeln tut...was Gelbes! Un dann denk isch bei mir: Wat is dat denn? Wat kann dat denn sin? Und wo kimmt dat her? Und dann jeh isch auf de Strass, und dann denk isch, do meine Jüte, lieber Jott, und dat direkt neben unserem D o m,...dat ist ja bei dem Herrn Bersch...", mit diesen Worten dreht sie sich um, und zeigt mit ihrem knochigen Zeigefinger Richtung Fenster. Ein Hauch von Achselschweiss und Eau de Cologne weht mir in die Nase. "...da hängt...wat Jelbes, ausm Fenster...!"
"Wat Jelbes? äff ich sie nach...Wat Jelbes denn?, bevor mir, gen Himmel blickend, erst schwindelig und dann schwarz vor Augen wird.
"DAS geht auch nicht! Das geb ich Ihnen recht, Frau Koslowski!" überlegt der Holla nicht lange, und zu uns gewandt: "Ich muss noch mal eben hoch, bevor nämlich die UNESCO Köln noch den Dom wieder als Weltkulturerbe aberkennt, hol ich deinen Schlafsack mit dem gelben Innenfutter lieber wieder rein..!" Dann taumelt er nach oben.
Frau Koslowski klimpert nochmal streng mit dem Schlüsselbund und geht Kopf schüttelnd ins Haus. "Nä, nä, nä, nä, nä...!"

Bild: troph-e-shop.com

Kölle, Domstraße
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Text © 2006/2008 lorenzodigiovanni.twoday.net
Lorenzodigiovanni - 14. Aug, 20:02



