"Ich geh mal eben einkaufen!
Bin gleich zurück!" sagte sie zu ihrer Tochter, zog die Tür zu und lief auf die Straße hinunter. Taya war schon alt genug, 11, da konnte sie sie auch gut allein lassen. Es war Januar und bitterkalt.
Sie bog um die Ecke und lief auf der verkehrsberuhigten Straße Richtung Gemüsehändler. Wenn Sie es noch schaffte, dann war sie noch locker vor 20.00 Uhr dort. Sie hatte gute Laune und dachte an dieses schöne Lied mit diesem groovigen Rythmus, bei dem man einfach mitmuss', yeah! Adupe lachte still in sich hinein, die Mundwinkel zu einem Lächeln verzogen. Sie schnippte mit den Fingern und ihre dunklen, drahtigen Locken wippten im Takt der Musik in ihrem Kopf...
~
Man, hat der miese Laune heute! dachte er, Wieso müssen eigentlich wir immer Streife fahren? Und dann auch noch hier in dieser miesen Gegend.
Beide waren sie nicht gut drauf. Der Kollege war auch nicht grad ein Animateur, und so war's einfach langweilig. Der Scheißwinter tat zur Laune sein Übriges. "Nur Gesocks wohnt doch hier!" bemerkte er zum Kollegen, "ich hasse die Schanze! Schade, dass Schill weg ist! Der hat mal für Law & Order gesorgt!"
Langsam fuhr das Fahrzeug die Strassen entlang. Er setzte den Blinker und fuhr in die Sackgasse. Vor ihnen ging eine Person auf der Strasse. Er lenkte den Wagen langsam an der Person vorbei und hielt direkt neben der jungen afrodeutschen Frau. "Hey, Sie!" sprach er sie durchs geöffnete Wagenfenster an, " Gehen Sie auf dem Bürgersteig!" "Wieso denn, ist doch verkehrsberuhigt hier, und sowieso ne Sackgasse! Da fährt doch kaum ein Auto lang!" "Machen Sie, was ich Ihnen sage! Das ist ein Straftatsbestand!" Jaja.."
Er gab kurz Gas und fuhr 30m weiter, beobachtete aber die Frau durch den Rückspiegel, ob sie seiner Anordnung folge leistete. Tat sie nicht. "Die Scheiß-Negerschlampe! Die kaufen wir uns!" Er bremste abrupt, sprang flink aus dem Wagen und knallte wütend die Tür zu, als er auf die Frau zulief. Sein Kollege folgte mit dem Sprechfunk in der Hand.
Eine Hand an der Waffe, rief er zu der Frau " Ich hab gesagt, Sie sollen auf dem Bürgersteig laufen!" Als die Frau den Befehl nicht befolgte, fasste er sie grob am Arm! "Sie tun was ich Ihnen sage! Da ist eine Anordnung! Was gibt's daran nicht zu verstehen? Das ist ein Straftatsbestand und das wird jetzt geahndet! Wenn Sie glauben, Sie könnten sich hier in Deutschland alles erlauben, dann haben Sie sich vertan!" Als sie sich weigerte in den Polizeibus einzusteigen, verdrehte er ihr die Hand. Es schmerzte. Er schob sie in den Bus und verlangte dort ihre Personalien, die sie verweigerte. "Wir müssen sie durchsuchen!" sagte er zum Kollegen, "Vielleicht hat die sogar Waffen und Drogen bei sich!" "Quatsch, ich bin auf dem Weg zum Einkaufen. Ausserdem wartet meine Tochter zu Hause!" " So? Na, dann sagen Sie endlich, wie Sie heissen und wo Sie wohnen! Dann kommen Sie auch schnell wieder zum Töchterchen!" "Nein, dazu gibt es keinen Grund! Sie haben mich völlig grundlos aufgegriffen! Was soll das überhaupt? Ich gehe jetzt, ich muss einkaufen!"
"SIE bleiben schön hier! das könnt Ihnen so passen!...Los, ruf mal Verstärkung! Die leistet Widerstand!"
Einige Minuten Später erschien eine zweite Streife mit weiteren drei Mann Besatzung!" Mittlerweile zu fünft, war der Polizist immer noch wütend und aggressiv. Sie beschwerte sich über den Mann und verlangte, dass man sie freilassen solle. Sie hätte nichts getan, ausser auf der Strasse zu laufen, und dies in einer verkehrsberughigten Sackgasse! Das sei reine Schikane.
"Das Problem ist..." sagte einer der anderen Beamten, "wir waren nicht dabei...wissen also auch nicht, was passiert ist. Der Kollege sagte, sie hätten Widerstand geleistet!" "Pah, wenn der Widerstand schon darin besteht nicht auf dem Bürgersteig zu gehen, und dem Befehl dazu zu ignorieren, dann ist das lächerlich!" antwortete sie. Ihre Hand schmerzte. Sie erzählte den Beamten genau, was sich zugetragen hatte. Der Polizist bestand auf einer ganz anderen Version.
~
Nach drei Stunden konnte Sie endlich gehen. Die Polizisten hatten letztendlich doch ihre Personalien aufgenommen und sagten, sie würde dann Bescheid bekommen. Die Sache käme zur Anzeige wegen unerlaubten Überquerens der Fahrbahn und Widerstandes gegen die Staatsgewalt.
~
Sie suchte am anderen Tag eine Ärtzin auf. Ihre Hand schmerzte sehr.
Die Ärztin nahm eher widerwillig ein Protokoll auf. "Wieso wollen Sie das denn extra im Protokoll stehen haben? Stellen Sie sich doch einfach vor, Sie hätten sich die Hand beim Inlinern oder so verletzt!"
Das Verfahren ist anhängig, lässt aber auf sich warten. Jetzt ist April.
Hamburg, Schanzenviertel.
>>Afrikanische Otternasen
~
© 2006 LorenzoDiGiovanni
Sie bog um die Ecke und lief auf der verkehrsberuhigten Straße Richtung Gemüsehändler. Wenn Sie es noch schaffte, dann war sie noch locker vor 20.00 Uhr dort. Sie hatte gute Laune und dachte an dieses schöne Lied mit diesem groovigen Rythmus, bei dem man einfach mitmuss', yeah! Adupe lachte still in sich hinein, die Mundwinkel zu einem Lächeln verzogen. Sie schnippte mit den Fingern und ihre dunklen, drahtigen Locken wippten im Takt der Musik in ihrem Kopf...
~
Man, hat der miese Laune heute! dachte er, Wieso müssen eigentlich wir immer Streife fahren? Und dann auch noch hier in dieser miesen Gegend.
Beide waren sie nicht gut drauf. Der Kollege war auch nicht grad ein Animateur, und so war's einfach langweilig. Der Scheißwinter tat zur Laune sein Übriges. "Nur Gesocks wohnt doch hier!" bemerkte er zum Kollegen, "ich hasse die Schanze! Schade, dass Schill weg ist! Der hat mal für Law & Order gesorgt!"
Langsam fuhr das Fahrzeug die Strassen entlang. Er setzte den Blinker und fuhr in die Sackgasse. Vor ihnen ging eine Person auf der Strasse. Er lenkte den Wagen langsam an der Person vorbei und hielt direkt neben der jungen afrodeutschen Frau. "Hey, Sie!" sprach er sie durchs geöffnete Wagenfenster an, " Gehen Sie auf dem Bürgersteig!" "Wieso denn, ist doch verkehrsberuhigt hier, und sowieso ne Sackgasse! Da fährt doch kaum ein Auto lang!" "Machen Sie, was ich Ihnen sage! Das ist ein Straftatsbestand!" Jaja.."
Er gab kurz Gas und fuhr 30m weiter, beobachtete aber die Frau durch den Rückspiegel, ob sie seiner Anordnung folge leistete. Tat sie nicht. "Die Scheiß-Negerschlampe! Die kaufen wir uns!" Er bremste abrupt, sprang flink aus dem Wagen und knallte wütend die Tür zu, als er auf die Frau zulief. Sein Kollege folgte mit dem Sprechfunk in der Hand.
Eine Hand an der Waffe, rief er zu der Frau " Ich hab gesagt, Sie sollen auf dem Bürgersteig laufen!" Als die Frau den Befehl nicht befolgte, fasste er sie grob am Arm! "Sie tun was ich Ihnen sage! Da ist eine Anordnung! Was gibt's daran nicht zu verstehen? Das ist ein Straftatsbestand und das wird jetzt geahndet! Wenn Sie glauben, Sie könnten sich hier in Deutschland alles erlauben, dann haben Sie sich vertan!" Als sie sich weigerte in den Polizeibus einzusteigen, verdrehte er ihr die Hand. Es schmerzte. Er schob sie in den Bus und verlangte dort ihre Personalien, die sie verweigerte. "Wir müssen sie durchsuchen!" sagte er zum Kollegen, "Vielleicht hat die sogar Waffen und Drogen bei sich!" "Quatsch, ich bin auf dem Weg zum Einkaufen. Ausserdem wartet meine Tochter zu Hause!" " So? Na, dann sagen Sie endlich, wie Sie heissen und wo Sie wohnen! Dann kommen Sie auch schnell wieder zum Töchterchen!" "Nein, dazu gibt es keinen Grund! Sie haben mich völlig grundlos aufgegriffen! Was soll das überhaupt? Ich gehe jetzt, ich muss einkaufen!"
"SIE bleiben schön hier! das könnt Ihnen so passen!...Los, ruf mal Verstärkung! Die leistet Widerstand!"
Einige Minuten Später erschien eine zweite Streife mit weiteren drei Mann Besatzung!" Mittlerweile zu fünft, war der Polizist immer noch wütend und aggressiv. Sie beschwerte sich über den Mann und verlangte, dass man sie freilassen solle. Sie hätte nichts getan, ausser auf der Strasse zu laufen, und dies in einer verkehrsberughigten Sackgasse! Das sei reine Schikane.
"Das Problem ist..." sagte einer der anderen Beamten, "wir waren nicht dabei...wissen also auch nicht, was passiert ist. Der Kollege sagte, sie hätten Widerstand geleistet!" "Pah, wenn der Widerstand schon darin besteht nicht auf dem Bürgersteig zu gehen, und dem Befehl dazu zu ignorieren, dann ist das lächerlich!" antwortete sie. Ihre Hand schmerzte. Sie erzählte den Beamten genau, was sich zugetragen hatte. Der Polizist bestand auf einer ganz anderen Version.
~
Nach drei Stunden konnte Sie endlich gehen. Die Polizisten hatten letztendlich doch ihre Personalien aufgenommen und sagten, sie würde dann Bescheid bekommen. Die Sache käme zur Anzeige wegen unerlaubten Überquerens der Fahrbahn und Widerstandes gegen die Staatsgewalt.
~
Sie suchte am anderen Tag eine Ärtzin auf. Ihre Hand schmerzte sehr.
Die Ärztin nahm eher widerwillig ein Protokoll auf. "Wieso wollen Sie das denn extra im Protokoll stehen haben? Stellen Sie sich doch einfach vor, Sie hätten sich die Hand beim Inlinern oder so verletzt!"
Das Verfahren ist anhängig, lässt aber auf sich warten. Jetzt ist April.
Hamburg, Schanzenviertel.
>>Afrikanische Otternasen
~
© 2006 LorenzoDiGiovanni
Lorenzodigiovanni - 1. Apr, 17:54
